Manfred Kunze GmbH

Dichtungstechnik

Dichtungen haben die Aufgabe das Eindringen oder Austreten von Gasen, Flüssigkeiten oder festen Stoffen an Verbindungs- oder Trennstellen von Bauteilen zu verhindern. Man unterscheidet statische und dynamische Dichtungen die bei der Montage plastisch oder elastisch verformt werden.




Statische Dichtungen

Zu den statischen (ruhenden) Dichtungen gehören Flach-, Spiral- und Profildichtungen, sie dichten zwischen Bauteilen ab die sich zueinander nicht bewegen. Flachdichtungen werden hauptsächlich bei breiten Auflageflächen eingesetzt (z. B. Flanschverbindungen). Bei hohen Anpressdrücken sollten Flachdichtungen mit Metalleinlagen, -auflagen oder Metallbördeln verwendet werden.




Runddichtringe (O-Ringe)

sind die am häufigsten verwendete Profildichtungsart. Die Dichtwirkung basiert auf radialer oder axialer Verformung seines Querschnittes im eingebauten Zustand. Für jede O-Ring-Abmessung gibt es spezielle Nutmaße des Einbauraumes, diese sind unbedingt zu beachten. Durch eine fachgerechte Werkstoffwahl und entsprechende Auslegung des Einbauraumes können O-Ring-Abdichtungen über 1000 bar Druck standhalten. Die Auswahl der Werkstoffhärte richtet sich nach der vorhandenen Spaltweite und dem Betriebsdruck. Im allgemeinen gilt je größer der Druck und die Spaltweite desto härter sollte der Werkstoff sein. Unter bestimmten Voraussetzungen entsteht ein ungünstiges Verhältnis zwischen Druck und Spaltweite, wird z. B. bei gleichbleibendem Druck der Spalt zwischen den abzudichtenden Bauteilen zu groß, so kann der O-Ring unter dem großen Druck in den Spalt hineinfließen (Spaltextrusion). Um eine Spaltextrusion des O-Ring-Werkstoffes zu verhindern, werden Stützringe aus PTFE eingesetzt, mit Stützringen können Drücke über 400 bar und Spaltweiten bis 0,3 mm überbrückt werden. Die Abmessungen eines O-Ringes werden durch den Innendurchmesser d1 und Ringdicke d2 bestimmt. Sie sind in zahlreichen Größen, Werkstoffen und Materialhärten lieferbar.
Bei axialer oder drehender Bewegung können O-Ringe unter bestimmten Voraussetzungen auch als dynamisches Dichtelement eingesetzt werden. Wir beraten Sie gerne.




Dynamische Dichtungen

Zu den dynamischen Dichtungen (Bewegungsdichtungen) gehören z. B. Radial-Wellendichtringe, Nutringe, Gleitringdichtungen, Labyrinthdichtungen und Dichtungs-Packungen. Sie dichten zwischen Bauteilen ab, die sich gegeneinander bewegen. Man unterscheidet berührungsfreie und schleifende Dichtungen (s. auch Warengruppe 4).




Radial-Wellendichtringe

sind Manschetten mit einer besonderen Dichtlippenform. Sie werden zum Abdichten von rotierenden Wellen bei geringen Drücken verwendet. Die federbelastete Dichtlippe verhindert das Austreten von Gasen Schmierölen, -fetten oder -pasten.
Eine zusätzliche Schutzlippe kann bei Bedarf das Eindringen von Schmutz und Staub verhindern. Der Außenmantel besteht aus Metall oder aus einem Elastomer mit integriertem Versteifungsblech.




Hochdruckdichtungen Flachdichtungen

Aufgrund der gesundheitsgefährdenden Eigenschaften von Asbest wurde bereits Anfang der 80er Jahre der Ausstieg auf adäquate Ersatzstoffe geplant und mitte der 90er Jahre umgesetzt.
Im Zuge der Materialforschung wurden neue Werkstoffe entwickelt, die heute nicht nur hervorragende Asbestersatzstoffe sind, sondern aufgrund ihres hohen Leistungspotentials Innovationen in neuen Anwendungsbereichen ermöglichen. Es handelt sich hierbei um Mineral- oder Synthetikfasern (u.a. Glas-, Aramid-, Carbonfasern), die in modifizierter oder kombinierter Form auch im Hochtemperaturbereich ein breites Anwendungsspektrum bieten. Teilweise werden auch Keramikfasern eingesetzt, bei der Verwendung dieser Produkte bitten wir die Hinweise der Handlungsanleitung "Arbeiten mit Keramikfasern" der Deutschen Keramikfaser Gesellschaft e.V. zu beachten, die wir Ihnen auf Wunsch gerne übersenden.




Hochdruckdichtungen (Flachdichtungen)

Die verschiedenen Werkstoffe und Werkstoffkombinationen ermöglichen Flachdichtungen ein breites Anwendungsspektrum. Wir bieten beispielsweise Dichtungen aus Aramid-, Glas-, Carbon-, Graphit-, PTFE- und Keramikfasern* in den verschiedensten intelligenten Material-Kombinationen mit und ohne Bindemittel wie z.8. NBR-Kautschuk an. Wir liefern Hochdruckdichtungen als Plattenware oder als einbaufertige Dichtungen in zahlreichen Formen. Sonderformen sind auf Wunsch nach Zeichnung oder Muster lieferbar.




Hinweise zur Dichtungs-Auswahl

Detaillierte Informationen über Materialqualität und Anwendungsmöglichkeiten bieten Ihnen Diagramme, Beständigkeitstabellen (auf Anfrage) oder Dichtungsauswahl- und Berechnungsprogramme. Innen- und Außendurchmesser sowie die Materialstärke von Flachdichtungen sind in den Normen DIN 2690 ff. geregelt. Bei speziellen Fragen helfen Ihnen unsere Fachberater gerne.




Hinweise zur Materialstärke

Es ist zweckmäßig die Materialstärke von Dichtungen nach Maßgabe der technischen Voraussetzungen möglichst dünn zu wählen. Die Standardstärke von Dichtungen beträgt i.d.R. 2 mm. In speziellen Fällen kann es jedoch sinnvoll sein, von der Standardstärke abzuweichen. Welche Auswirkungen eine geänderte Dichtungsdicke bei gleichem Werkstoff haben kann, soll in folgenden Punkten erläutert werden:




a) Maximale Flächenpressung

Dünne Dichtungen lassen höhere Pressungen als dicke Dichtungen zu. Gerade im Hochtemperaturbereich ist dies wichtig, da mit Erhöhung der Temperatur die maximal zulässige Flächenpressung sinkt.




b) Mindestpressung

Faserweichstoffdichtungen besitzen Kapillare, die gepresst werden müssen, um einen dichten Querschnitt zu erhalten. Da dicke Dichtungen mehr Kapillare besitzen, benötigt man daher eine höhere Pressung, um die gleiche Dichtigkeit wie bei einer dünnen Dichtung zu erreichen Keramikfasern wurden von der Europäischen Union als Karzinogen der Kategorie 2 eingestuft, d.h. "sie sollten als krebserzeugend für den Menschen angesehen werden".




c) Flanschunebenheiten

Dicke Dichtungen gleichen Welligkeiten, Rauhigkeiten, Flanschwölbungen und Schiefstellungen besser aus als dünne Dichtungen.




d) Setzverhalten

Unter dem Setzverhalten einer Dichtung versteht man den nach ausgeübter Pressung einsetzenden Dickenschwund. Der absolute Setzbetrag ist bei dicken Dichtungen größer als bei dünnen Dichtungen. Daher ist die nach dem Setzen verbleibende Schraubenkraft bei dünnen Dichtungen größer. Je nach Anwendungsfall kann sich daher ein Abweichen von der Standarddicke positiv oder negativ auswirken, bzw. kann eine Dickenkorrektur helfen ein Dichtungsproblem zu lösen.




Einbauhinweise von Dichtungen und Flanschverbindung Dichtflächen

Die Dichtflächen sind zu reinigen und alte Dichtungsreste sind zu entfernen. Es ist darauf zu achten, dass bei Verwendung von Schabern oder Kratzern keine Beschädigungen an den Dichtflächen verursacht werden. Bei runden Flanschflächen ist in Umfangsrichtung zu arbeiten, bei eckigen Flanschen immer in Längsrichtung, damit eventuell eingebrachte Riefen niemals in radialer Richtung entstehen. Vorhandene Dichtflächenverletzungen sollten mit Metallpasten ausgebessert werden. Vor der Verwendung von Dichtpasten sollten Sie unbedingt unsere Fachberater kontaktieren, da nur die wenigsten Dichthilfsmittel für moderne, asbestfreie Dichtungsqualitäten geeignet sind. Die Flanschflächen sind auf Parallelität und Welligkeit zu prüfen und gegebenenfalls nachzurichten.




Dichtung

Die Dichtungen sind vor dem Einbau auf Risse, Oberflächenbeschädigungen und Maßgenauigkeit zu prüfen. Sollen gelochte Dichtungen zum Einsatz kommen, ist das Lochbild mit dem des Flansches auf Deckungsgleichheit zu prüfen. Sollte diese nicht übereinstimmen, so sind die Löcher der Dichtung / mit geeigneten Werkzeugen (Locheisen, entspr. Schneidwerkzeugen usw.) zu vergrößern. Keinesfalls dürfen Schrauben in die Dichtung eingedreht werden oder mit Gewalt durchgesteckt werden, da dabei Risse entstehen können, die eine spätere Dichtheit nicht mehr gewährleisten.




Schrauben

Schrauben sind vor dem Einbau auf leichte Gängigkeit zu prüfen, ggf. sind neue Schrauben zu verwenden. Um eine leichte Gängigkeit zu erreichen, wird empfohlen, die Gewinde z. B. mit Montagepasten zu schmieren, um möglichst geringe Reibwerte zu erzielen. Das Anziehen der Schrauben geschieht über Kreuz und sollte in 3 Durchgängen erfolgen. Zum Ersten wird mit ca. 50 %, danach mit ca. 80 % und letztlich mit 100 % Drehmoment angezogen. Damit eine möglichst hohe Gleichmäßigkeit erreicht wird, wird der Einsatz eines Drehmomentschlüssels nachdrücklich empfohlen. Das Nachziehen während der ersten Temperierung der Dichtung ist empfehlenswert, jedoch nicht unbedingt erforderlich.




Lagerfähigkeit von Hochdruckdichtungen

Ungünstige Lagerbedingungen wie z.B. erhöhte Temperatur, zu geringe Luftfeuchtigkeit oder zu starke Lichteinwirkung führen bei Dichtungsplatten und einbaufertigen Dichtungen zu vorzeitiger Oualitätsminderung.




Daher empfehlen wir für eine ideale Lagerung

relative Luftfeuchtigkeit von 50-60 % - Raumtemperatur unter 25°C
Abgedunkelte Räume

Unter diesen Bedingungen ist eine Lagerzeit von mind. 5 Jahren möglich. Fertige Dichtungen sollten liegend aufbewahrt werden, da insbesondere bei größeren Abmessungen und hängender Lagerung Spannungen und bleibende Verzüge auftreten, die zumindest den Einbau erschweren.


 
© 2004 - 2013 Manfred Kunze GmbH Suche | Sitemap | Impressum | AGB